|
Johann
Wolfgang von Goethe
(seit 1782) von (*28.8.1749 Frankfurt a.M., 22.3.1832
Weimar).
Goethe gilt als der bedeutendste und universalste dt.
Dichter, der die Literatur lange über seinen Tod
hinaus entscheidend beeinflusst hat. Er stammte aus einer
gehobenen bürgerl. Familie und studierte zuerst in
Leipzig Jura, wo er die Bekanntschaft Gellerts und Gottscheds
machte. Aus diesen Jahren stammen die im Stil des Rokoko
gehaltenen Lieder. Während der Zeit der Genesung
von einer schweren Krankheit (1770/71) gelangte G. unter
den pietist. und myst.-naturphilosoph. Einfluß Susanne
von Klettenbergs, einer Freundin seiner Mutter.
Zum Ende seiner Studienzeit in Straßburg ließ
er sich von der Geistesrichtung des Sturm und Drang mitreißen
und interessierte sich für die Werke Shakespeares.
Hier verkehrte er u.a. mit Herder und Lenz, sammelte Volkslieder
und beschäftigte sich mit der Gotik, über die
er seinen Aufsatz Von deutscher Baukunst (1773) schrieb.
Nach seiner frühen Liebe zu Kätchen Schönkopf
in Leipzig und zu der Pfarrerstochter Friederike Brion
in Sesenheim - in diesen Jahren hatte G. seinen persönl.
lyr. Stil entwickelt, der Vorbild und Maßstab bis
in die Gegenwart blieb - inspirierte ihn seine Leidenschaft
zu Charlotte Bull in Wetzlar zu dem Roman Die Leiden des
jungen Werther (1774 und 1787), der eine begei-sterte
Aufnahme fand und das Goethebild über lange Zeit
hin mitprägte. Daneben entstanden das Sturm-und-Drang-Drama
Götz von Berlichingen (1773), die Tragödie Clavigo
(1774) und die Wanderer-Lieder.
Ab 1775 lebte G. am Hofe des Herzogs Karl August von Weimar,
von wo aus er u.a. Verbindung hatte mit Wieland und Charlotte
von Stein. Hier widmete er sich dem lit. Schaffen sowie
seinen wissenschaftl. Neigungen, z.B. der Entdeckung des
Zwischenkieferknochens, der Farbenlehre (1810), und führte
ein Ministeramt. Seine Tätigkeit dort wurde von der
ersten (1786-88) und zweiten Italienreise (1790) unterbrochen,
die G. wertvolle Impulse im Hin-blick auf sein weiteres
dichter. Wirken gaben (u. a. für Iphigenie auf Tauris,
1779 u. 1781; die Römischen Elegien, 1795) und die
klassische Epoche einleiteten. In jenem Lebensabschnitt,
in den auch die Freundschaft mit Schiller und die gemeinsame
Arbeit mit diesem an den Xenien (1796) fiel, entstanden
die berühmten Balladen wie Der Zauberlehrling (1797),
die endgültige Fassung des Bildungsromans Wilhelm
Meister (179Sf.; 1821), die Novellen Unterhaltungen deut-scher
Ausgewanderter (1795) und das Versepos Hermann und Dorothea
(1797). Daneben arbeitete G. an seinem berühmtesten
Werk, dem Drama Faust, dessen ersten Teil er 1806 beendete.
In diesem Jahr heiratete er Christiane Vulpius, mit der
er einen Sohn mit Namen August hatte.
Sein Alterswerk weist schon romantische Züge auf
und beschäftigt sich mit psycholog. Fragen, so z.B.
der Roman Die Wahlverwandtschalten (1809). Weitere wichtige
Werke sind die Dramen Egmont (1788) und Torquato Tasso
(1790), das Epos Reineke Fuchs (1794), die beispielhafte
Novelle (1828), die Gedichte Westöstlicher Diwan
(1819), die autobiograph. Schriften Aus meinem Leben,
Dichtung und Wahrheit (1811-22) und zahlreiche Schriften
zur Ästhetik und Literaturtheorie. Daneben schrieb
G. eine Fülle bedeutender Briefe, die 1961 ff. zuletzt
in 4 Bdn. erschienen. In den letzten Lebensjahren schrieb
er den zweiten Teil der Faust-Dichtung. Sein Werk liegt
heute in zahlreichen Gesamtausgaben vor.
Vertone Gedichte:
Gesang
der Geister über den Wassern, Grenzen
der Menschheit und Selige
Sehnsucht
|