Shadow
Shire
Leichenwetter
- ein ziemlich ungewöhnlicher Name für eine
Band. Nun, so ungewöhnlich der Name auch ist, so
ungewöhnlich ist auch die Musik.
Die im Jahr 2000 gegründete Band verarbeitet brachiale
Gitarrenklänge des Gothicmetals mit elektronisch-poppigen
Beats zu einem eigenständigen Soundbild, welches
die düster-morbiden Texte eindringlich in die Gegenwart
transportiert.
Nun,
das aktuelle Album mit dem Titel "Urworte"
bietet 70 Minuten musikalische Vielfalt. So erinnert
mich der wunderbare Song "Verführer"
mit seinen riffigen Gitarrenklängen ein wenig an
Kovenant, und mit seinen deutschen Texten ein wenig
an Tanzwut. So dazwischen kann man den Stil der Band
ansiedeln.
Aber
harte Gitarrenklänge stehen nicht immer im Vordergrund.
Bei einigen Songs setzt man mehr auf ein Zusammenspiel
von Electro-Synthie-Klängen mit "Numens"
Gesang und generell untermalt von meist riffigen Gitarrenakkorden.
Was
man noch anmerken sollte, wäre der Gedanke, dass
jeder Song von einem berühmten Menschen 'geschrieben'
wurde, der längst verstorben ist., wie z.B. "Im
Nebel" von Hermann Hesse.
Die letzten 4 Songs sind Remixe von den eigenen Songs,
hier ist sicher für jeden was dabei.
Als
Resumé bleibt zu ziehen, wer Musik im Stile von
Tanzwut oder der älteren Kovenant mag, kann bedenkenlos
zugreifen. Professionell sind die Jungs allemal, haben
sie schon gemeinsame Konzerte mit Tanzwut, Crüxshadows
oder Subway bestritten. Als Anspieltipp gebe ich mal
"Verführer" und
"Schnitterlied", die besten Songs (in meinen
Augen) auf der Platte.
Amboss
Mag
Nach
der Demo CD "Nachtwerke" erschien vor kurzer
Zeit mit "Urworte" das zweite Album der Sauerländer
Band um Sänger Andre Winkhaus, der seine Vocals
bereits bei "The Beat of Black Wings" zusteuerte
und leider mit den genialen "Le cri du mort"
nur ein kurzes Intermezzo gab.
Wie
bereits auf "Nachtwerke" vertont die fünfköpfige
Band auch diesmal Texte alter Meister wie Goethe, Hesse,
Nietzsche, Lasker-Schüler, Heym und Hebbel. Dabei
geht man des öfteren sehr kompromisslos vor und
unterlegt die tiefsinnigen Gedanken der Dichter und
Denker mit teils heftigen Gitarrengewittern.
Die
pure Härte wird mit sanftmütiger Elektronik
und den wirklich betörenden Gesangs Andre?s in
ein melodisches Gewand der Dunkelheit gekleidet. Obwohl
jeder Song einen eigenständigen Charakter aufweisen
kann und vor allem das Gesamtbildnis voll überzeugen
kann, gibt es doch diese kleinen Songideen, die ein
Stück herausheben. So das domige "Feuerharfe",
welches von einem tieftraurigen Charme umgeben ist und
Andre?s Stimme im Gänsehautbereich ein zu Hause
findet. Der Refrain ergeht sich in eine hymnische Elegie.
Böse Backings und messerscharfes Riffing durchstoßen
die Atmosphäre kurzzeitig, bevor sie ein vocalistisches
Instrument zurückholt.
Cyper
Metal mit dunkler Ausrichtung bietet "Senna Hey".
Auch hier begeisternd, wie es gelingt, bei aller Härte,
einen Refrain in den Song zu bauen, welcher ohrwurmartig
fesselt. Geschickt verschmelzt man die brachiale Saitenarbeit
mit einer Gothic-poppigen Eleganz ohne jemals kitschig
zu wirken. Der variable Gesang ist einfach Klasse. Die
Stimmbänder sind eine geborene Eruption aus Aggression,
Melancholie, Verzweiflung und Hingabe.
Vor
allem dieses macht die Band einzigartig, aus diesem
Grunde spare ich mir jegliche Vergleiche und überlasse
es meinen Kollegen. (Andreas)